Ladungssicherung "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser"

04.10.2013

Die Richter des Oberlandesgericht Bamberg haben mit einem aktuellen Urteil die Verantwortlichen für die Einhaltung von Ladungssicherungsvorschriften wachgerüttelt (Az.: Ss OWi 659/13).

Beschluss Az. 2 Ss OWi 659/13 

OLG Bamberg 

12. Juni  2013 

Leitsätze 

1. An die Erfüllung der nach §31 Abs. 2 StVZO dem Halter obliegenden Aufsichts- und Überwachungspflichten für die Einhaltung der aus den §§22 Abs. 1 Satz 1, 23

Abs. 1 Satz  1 StVO  resultierenden Ladungssicherungsvorschriften sind strenge Anforderungen zu stellen. 2. Ihre Erfüllung setzt auch bei einer wirksamen  De- legation auf qualifiziertes Personal (hier: Disponent) zur eigenverantwortlichen Wahrnehmung mit Blick auf die besonderen  Gefahren,  die von entsprechenden Verstößen gegen die Ladungssicherheit für den öffentlichen Straßenverkehr aus- gehen, nicht nur voraus,  dass der insoweit Verantwortliche bei der Auswahl und Schulung der Fahrzeugführer die erforderliche Sorgfalt walten lässt und diese mit  den notwendigen  (Unter-) Weisungen versieht. Erforderlich ist vielmehr auch, dass die Beachtung der Weisungen durch gelegentliche - auch unerwartete - Kontrollen überprüft wird, weil nur so eine wirksame, nicht lediglich auf zufällig entdeckte Verstöße beschränkte, planmäßige Überwachung gewährleistet ist, welche auch präventiv wirkt.

Tenor

I. Die Rechtsbeschwerde des Betroffenen gegen das Urteil des Amtsgerichts vom 05.02.2013 wird als unbegründet verworfen.

II. Der Betroffene hat die Kosten seines Rechtsmittels zu tragen.

Gründe 

I.

Das Amtsgericht verurteilte den Betroffenen,  der als Disponent einer Logistik-Firma mit einem Fuhrpark von 25 Lastkraftwagen für die Einhaltung der Ladungssicherungsvorschriften verantwortlich war, am 05.02.2013 wegen fahrlässigen Zulassens der Inbetriebnahme eines Lastkraftwagens mit nicht vorschriftsgemäß gesicherter Ladung zu einer Geldbuße von 270 Euro, da er seiner Überwachungspflichtdurch die Vornahme regelmäßiger Stichproben nicht ausreichend nachgekommen sei. Mit seiner hiergegen erhobenen Rechtsbeschwerde rügt der Betroffene die Verletzung materiellen Rechts. Er macht insbesondere geltend, dass er die sorgfältig geschulten Fahrer angewiesen habe, sich bei Problemen zu melden und im Übrigen tätig werde, wenn er an einem Fahrzeug vorbeikomme und ihm etwas auffalle. Damit habe das Amtsgericht den Begriff der Stichprobe verkannt und die Anforderungen an seine Aufsichtspflicht überspannt. 

II.

Die Nachprüfung des Urteils aufgrund der Rechtsbeschwerde hat keinen Rechts- fehler zum Nachteil des Betroffenen ergeben (§349Abs. 2 StPO  i.V.m. §79 Abs. 3 Satz 1 OWiG). Zur Begründung wird auf die zutreffenden Ausführungen der Generalstaatsanwaltschaft in ihrer Antragsschrift Bezug genommen, welche auch durch die Gegenerklärung der Verteidigung nicht entkräftet werden.

Ergänzend bemerkt der Senat:

Entgegen dem Vorbringen der Rechtsbeschwerde hat der Betroffene, auf den die Fa. A.-Logistik GmbH ihre speziellen Halterpflichten gemäß §31 Abs.  2 StVZO wirksam delegiert hat, keine ausreichenden Vorkehrungen für die Einhaltung der Ladungssicherungsvorschriften getroffen. Dies kann nach ständiger höchstrich- terlicher Rechtsprechung mit Blick auf die besonderen Gefahren, die von ent- sprechenden Verstößen für den öffentlichen Straßenverkehr ausgehen, nur dann angenommen werden, wenn der insoweit Verantwortliche bei der Auswahl und Schulung der Fahrzeugführer die erforderliche Sorgfalt walten lässt, diese mit den notwendigen Weisungen versieht und sich durch gelegentliche - auch unerwartete – Kontrollen davon überzeugt, dass die Weisungen auch beachtet werden (vgl. etwa OLG Hamm DAR 2003, 381; OLG Düsseldorf NZV 1996, 120 und VerkMitt. 1987,10; OLGKöln  DAR  1985, 325 [jeweils für Verstöße gegen das Überladungsverbot]; OLG  Düsseldorf NZV 1989,282 [für Verstöße gegen Überwachungspflicht im Hinblick auf Fahrzeugmängel]; vgl. auch Dauer in Hentschel/König/Dauer Straßenverkehrsrecht 42. Aufl. §31 StVZO Rn. 18 sowie Burhoff/Gieg, Handbuch für das straßenverkehrsrechtliche OWi-Verfahren, 3. Aufl., Rn. 1905 ff., jeweils m.w.N).

Nach  den  Urteilsfeststellungen führte der Betroffene keine regelmäßigen Stich- proben bei den Fahrern durch, sondern wurde nur tätig, wenn er zufällig an einem Fahrzeug vorbeikam und ihm etwas auffiel. Damit blieb es dem Zufall überlassen, ob entsprechende Verstöße von ihm beim Gang über das Betriebsgelände festgestellt wurden oder nicht, was im Übrigen das Erkennen „verborgener“ Mängellagen, die nur bei einer gezielten Kontrolle auffallen, von vornherein ausschloss.

Von einer wenn gleich nur stichprobenartigen, jedoch insgesamt planmäßigen Kontrolle der Einhaltung der Ladungssicherungsvorschriften durch die Fahrer in dem insgesamt 25 Lastkraftwagen umfassenden Fuhrpark der Fa. A.-Logistic GmbH, mit der etwaigen Verstößen wirksam vorgebeugt werden könnte, kann bei einem solchen Vorgehen des Betroffenen nicht ausgegangen werden. 

III.

Die Kostenentscheidung beruht auf §473 Abs. 1 Satz  1 StPO i.V.m. §46 Abs. 1. OWiG. Gemäß §80 a Abs. 1 OWiG entscheidet der Einzelrichter.


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